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Uncovering the forgotten genocide against the Tutsi - Rwanda 1994

Eventbericht Students Remember

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„Wann haben Sie zum ersten Mal gespürt, dass etwas Furchtbares bevorsteht?" Mit dieser Frage begann eines der eindringlichsten Gespräche, das wir bei Students Remember in diesem Semester organisiert haben.


Am 07. Juli 2026 haben wir, erstmals in einem englischsprachigen Format, den Blick über den Tellerrand deutscher und europäischer Erinnerungskultur gewagt und uns dem Genozid an den Tutsi in Ruanda gewidmet, bei dem 1994 innerhalb von etwa hundert Tagen rund eine Million Menschen ermordet wurden. Mehr als 100 Gäste füllten dafür einen Hörsaal der LMU bis auf den letzten Platz, ein Interesse, das uns selbst überrascht hat und zeigt, wie groß der Bedarf ist, Erinnerungsarbeit über die gewohnten europäischen Bezugspunkte hinaus zu denken.


Drei Gäste brachten an diesem Abend sehr unterschiedliche Zugänge zu derselben Geschichte mit. Judence Kayitesi ist Zeitzeugin: Sie überlebte den Genozid als Kind schwer verletzt und verlor fast ihre gesamte Familie. In mehreren preisgekrönten Büchern hat sie ihre Erfahrungen literarisch verarbeitet. Aus einem davon, „A Broken Life", las sie an diesem Abend vor. Christoph Plate war als einer der wenigen deutschen Journalisten 1994 tatsächlich vor Ort in Ruanda und berichtet seither immer wieder über Afrika und die Nachwirkungen des Genozids. Prof. Dr. Johannes Großmann, Inhaber des Lehrstuhls für Zeitgeschichte an der LMU, forscht unter anderem zur Geschichte der Dekolonisierung.


Inhaltlich spannte sich der Abend zwischen diesen drei Perspektiven auf. Prof. Dr. Großmann eröffnete mit einer historischen Einordnung, die den Genozid nicht als isoliertes Ereignis, sondern als Ergebnis kolonialer Vorgeschichte und internationalen Versagens beschrieb. Im Gespräch mit Kayitesi ging es anschließend sehr persönlich weiter: um Warnzeichen, die sie schon vor 1994 im Alltag spürte, um den Verlust fast ihrer gesamten Familie, um die systematische sexualisierte Gewalt, die Teil des Genozids war, und um ihr siebenjähriges Schweigen, aus dem sie erst durch das Schreiben herausfand. Christoph Plate wiederum sprach aus der Position des Beobachters: über das weitgehende Wegschauen westlicher Medien 1994, über persönliche Begegnungen mit dem Präsidenten Paul Kagame und über seine Sicht auf die Versöhnungsnarrative der ruandischen Regierung.


Gerade dieses Nebeneinander der Perspektiven hat vielen im Publikum, wie die angeregten Gespräche im Anschluss zeigten, neue Impulse mitgegeben, etwa danach, was Versöhnung nach einem Massenverbrechen tatsächlich leisten kann und wo Deutschland und Europa in dieser Geschichte selbst eine Rolle spielten. Viele der Zuhörerinnen und Zuhörer blieben nach dem offiziellen Ende noch lange, um mit den Gästen ins Gespräch zu kommen und Exemplare von Judence Kayitesis Büchern zu erwerben.


Wir bedanken uns herzlich bei Judence Kayitesi, Christoph Plate und Prof. Dr. Johannes Großmann für einen eindrucksvollen Abend, der uns bestärkt, unser Projekt in Zukunft auch verstärkt international zu denken.


Text: Damian Hurmer

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