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Heinrich Emmerling und die Anderen. Münchner Studierende als Opfer der NS-„Euthanasie“-Morde

Zwischen 1939 und 1945 wurden mehr als 2.000 Münchner im Rahmen des nationalsozialistischen „Euthanasie“-Programms ermordet. Bis heute zählen sie zu den am
wenigsten beachteten Opfern der NS-Gewaltherrschaft. Ein Rundgang durch die
Schaufenster-Ausstellung der Gedenkinitiative für NS-„Euthanasie“-Opfer macht auf diese
vergessenen Biografien aufmerksam.

Die Ausstellung, die vom 18. Januar bis zum 3. März 2026 in der Fußgängerzone zu sehen ist,
zeigt Bilder, Zeichnungen und Briefe von drei ermordeten Münchner Patientenkünstlern. Im
Mittelpunkt des Rundgangs steht der Geographiestudent Heinrich Emmerling. Nach einem Ereignis an der Universität München wurde er in die Heil- und Pflegeanstalt Eglfing-Haar eingewiesen. Dort widersetzte er sich der Behandlung, schrieb zahlreiche Briefe und hielt
seinen Alltag zeichnerisch fest. 1943 wurde er durch gezielten Nahrungsentzug ermordet.

Dr. Sibylle von Tiedemann von der Gedenkinitiative für NS-„Euthanasie“-Opfer führte die Teilnehmenden eindrucksvoll in die Ausstellung und in die historischen Hintergründe des NS-„Euthanasie“-Programms ein. Anhand von Fotografien zeigte sie Heinrich Emmerling als jungen Geographiestudenten und verwies besonders eindrücklich auf eine Skizze, die von Emmerling während seiner Zeit in Haar angefertigt wurde. Großen Raum nahmen auch die Briefe ein, die Emmerling aus der Anstalt a seine Familie schrieb. Trotz der Gewalt und Entmenschlichung, denen er ausgesetzt war, verfasste er die Briefe in einer auffälligen Ironie, die er als Form der Selbstbehauptung nutze. In seiner Familie lebt die Erinnerung an „Heiner“ bis heute fort.

Neben Emmerling wurden auch weitere Opfer vorgestellt: die Studierenden Winterhalter und
Dallmayr, die – wie er – von Ärzten selektiert und im Rahmen des NS-„Euthanasie“-Programms ermordet wurden. Der Rundgang machte deutlich, dass es sich nicht um Einzelschicksale handelte, sondern um ein systematisch organisiertes Verbrechen.

Die Schaufenster-Ausstellung holt diese Biografien zurück in die Stadtgesellschaft – an einen Ort des Alltags und der Öffentlichkeit. Für die Teilnehmenden des Rundgangs wurde spürbar, wie wichtig diese Form des Gedenkens ist: Sie konfrontiert, sie erinnert und sie gibt den
Opfern ihre Namen und Geschichten zurück.

Students Remember dankt der Gedenkinitiative für NS-„Euthanasie“-Opfer und insbesondere Dr. Sibylle von Tiedemann für den eindrucksvollen Rundgang und die wichtige Kooperation.

Heinrich Emmerling und die Anderen. Münchner Studierende als Opfer der NS-„Euthanasie“-Morde
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